HABEN KLEINE HUNDE EINEN ANDEREN ENERGIEBEDARF?

Kleine Hunde und ihr Energiebedarf?

Kleine Hunde verbrauchen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht deutlich mehr Energie als große Hunde, vor allem bei kaltem und/oder nassem Wetter, d.h. im Herbst und im Winter. Ihr Energie-Umsatz ist außerdem schneller. Grundsätzlich gilt, je kleiner und aktiver der Hund, und je niedriger die Außentemperatur, desto höher ist der Bedarf an schnell verfügbaren Kalorien. Hierfür gibt es zwei Gründe.

Erstens ist das Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpergewicht ein anderes als bei mittelgroßen oder großen Hunden. Dies lässt sich sogar wissenschaftlich belegen: Während ein großer Hund wie z.B. eine Dogge einen Energiebedarf von 0,20 Megajoule (MJ) pro Kilogramm Körpergewicht hat, benötigt ein Zwergpudel mit 0,37 MJ pro Kilogramm Körpergewicht relativ betrachtet sehr viel mehr Energie als der große Hund. Genauer gesagt muss der kleine Pudel pro Kilogramm seines Körpergewichtes durchschnittlich stolze 85% mehr Energie aufnehmen!

Yorkshire Terrier vs. Labrador

Zweitens geht über die ebenfalls im Vergleich zum Körpergewicht viel größere Körperoberfläche beim kleinen Hund schon unter normalen Bedingungen sehr viel mehr Körperwärme verloren. Um auch dies einmal in Zahlen auszudrücken: Ein kleiner Yorkshire Terrier mit einem Körpergewicht von 1 kg hat eine Körperoberfläche von 0,1 m², während ein Labrador mit einem Körpergewicht von 35 kg eine Körperoberfläche von 1 m² hat. Wären die Verhältnisse wie beim Yorkshire Terrier, dann müsste der Labrador eine Körperoberfläche von 3,5 m² haben – tatsächlich ist seine Körperoberfläche aber weniger als ein Drittel so groß, nämlich lediglich 1 m²!

Aus diesem Beispiel wird sofort deutlich, wieviel mehr Wärme, d.h. Energie über die proportional sehr große Körperoberfläche eines kleinen Hundes verloren geht. Und das sollte besonders beachtet werden, vor allem bei kalter oder nasser Witterung und in Situationen, in denen entweder mehr Energie verbraucht wird (Spielen, Toben, lange Spaziergänge, kaltes, windiges und nasses Wetter), oder aber der kleine Hund weniger Energie aufnehmen kann (bei Verdauungsstörungen oder Appetitmangel, und besonders auch nach Narkosen). Ganz besonders gilt dies natürlich für kleine Hunde mit geringem Körpergewicht (< 10 kg) und sehr feinem oder kurzem Fell ohne viel Unterwolle (z.B. Chihuahua).

Kleine Hunde benötigen Wärme durch Energie

Zweierlei ist wichtig: Einmal die häufige Versorgung des kleinen Hundes mit schnell verfügbarer Energie, z.B. über Energy Snacks, und dann kann ein wärmendes Mäntelchen hier durchaus gute Dienste leisten. Kleine Hunde müssen aus demselben Grund während einer Narkose und danach bis zum vollständigen Erwachen besonders gut gewärmt und ihre Körpertemperatur im Idealfall über einen Monitor mit Alarm kontinuierlich überwacht werden, genauso wie ihr Energiestoffwechsel über eine regelmäßige Messung des Blutzuckerspiegels. Sollte Ihr kleiner Hund einmal eine Narkose benötigen: Kleine Hunde haben – wenn die o.g. Besonderheiten berücksichtigt werden – kein höheres Narkoserisiko als größere Hunde.

Kleine Hunde können allerdings aufgrund ihrer geringeren Körpermasse Energie nicht in dem Maße speichern wie mittelgroße und große Hunde, sie sind deshalb ganz besonders auf eine kontinuierliche Versorgung mit Energie angewiesen. Sinkt z.B. der Blutzuckerspiegel zu stark ab, weil zu wenig Energie aufgenommen wird, oder aber weil durch Frieren und Zittern überproportional viel Energie durch die Muskeln verbraucht wird, dann kann ein kleiner Hund sehr rasch in eine gefährliche Energiemangelsituation mit Unterzuckerung kommen, die im Extremfall einen Kollaps oder ein Koma auslösen kann.

Artikel von Frau Dr. Birgit Leopold-Temmler, Fachtierärztin für Kleintiere